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Live Bericht des Allgäu-Orient-Teams "Weit-Weit-Weg-Fahrer"



Hallo Orient, wir sind im Anmarsch.

Und es wird bestimmt spitze...!!!

Bevor es jedoch losgeht, hier noch eine ganz kleine Einführung, wer wir sind:

Unser Team besteht aus 4 Amateurfahrern, die auch gleichzeitig für die Navigation, das Kochen/Essen und die Wartung der Fahrzeuge zuständig sind. Wir haben diese Mischung "Alle sind für alles da" mit Absicht gewählt, denn so kann hinterher keiner sagen, er hätte es besser machen können.

Altersmäßig steht allen voran Udo, der gerade die 70 überschritten hat. Ihm ist einer der Rennwagen zu verdanken. Mit ihm im Auto wird Jörg sitzen, wie Udo aus Oberstdorf, der  kein Rookie in Sachen Rallye mehr ist.

Den zweiten Boliden wird Maddi, ein Logistikfachmann aus dem Allgäu, navigieren. Ihm zur Seite mit schlauen Sprüchen und ebensolchen Taten wird Hans, ein Physiotherapeut aus dem Oberbayrischen, sitzen.

Bei den handverlesenen Rennautos handelt es sich um einen Citroen BX Bj. 91 mit nur 153400 km und 65 KW, natürlich mit Automatikgetriebe und Hydropneumatik, in schönem Hellblau. Das zweite Gefährt wurde von Pontiac im Jahre 93 hergestellt. Mit satten 89 KW Leistung und einer sofagleichen Federung ist es ein Garant nicht nur für angenehmes "Dahingleiten", sondern leider auch für einen sehr hohen Spritverbrauch ...

Soviel zu uns. Nun freuen wir uns drauf, dass es endlich losgeht und werden versuchen, so oft wie möglich von den Abenteuern in Bild und Schrift zu berichten....

So sehen sie also aus....



Citroen BX Bj.91
Pontiac Trans Sport 3.2l

Hier also auch schon mal vorab unsere schon beschriebenen Rennautos...

Soweit ist also alles fertig. Morgen geht's dann noch zur Startnummernvergabe... Diese ist wohl mit einem Quiz verbunden. Sobald der Erste seine richtige Lösung beim Schiedsgericht abgibt darf er auch als Erster starten. Wer da zu spät kommt... den bestraft eine sehr schlechte Startzeit.

Wir sind auf jeden Fall mit dabei und werden unser Bestes geben.

Der erste und 2. Tag



Erster Tag:
Nachdem alle begrüßt worden sind, ihre Weisswürste verdrückt hatten und alle aus dem Organisationskomitee ein paar Worte an die Teilnehmer richten durften ging es zur ersten Prüfung: ausgeteilte Puzzel mussten so schnell wie möglich zusammengesetzt werden. Die schnellste Gruppe bekam dann die Startnummer eins, die Zweitschnellsten die 2  usw. ...  wir waren mit der Startnummer 37 in der zweiten Hälfte des Teilnehmerfelds....
Danach ging es auf Umwegen nach Steibis... Nachdem wir das Roadbook und die restlichen Unterlagen erhalten haben konnte es zur nächsten Prüfung gehen: es musste mit einem Auto rückwärts an ein Gitter eingeparkt werden. Alles über 10cm Abstand gab Strafpunkte, alles unter 0cm gab 20 Strafpunkte. Mit 9 Punkten lagen wir da unsrer Meinung nach auch im Mittelfeld.
Dank perfekter Streckenplanung und ebensolcher Ortskenntnisse unseres ältesten Teammitglieds konnte dann die bisher nahezu fehlerfreie Fahrt über Murnau, Rosenheim und Freilassing nach Salzburg beginnen. In Salzburg kam uns ein Team, 3 weiße RangeRover entgegen... Eine kurze Überprüfung unserer Strecke ergab, wir waren ein paar hundert Meter auf dem Holzweg, also fluchs umgedreht. Nach ein paar Metern kam uns aber eben dieses Team wieder entgegen....?!?! Das Nachfragen nach dem richtigen Weg bei einer ungläubigen Blumenverkäuferin verschaffte schnelle Aufklärung. Nun ging es weiter über Bad Ischgl nach Liezen und weiter nach Leoben.
Schon fast am Etappenziel angekommen hatten wir dann leider doch noch einen kleinen Zwischenfall: ein Reh hat kurz vor einer Ortseinfahrt die Straßenverkehrsordnung missachtet und unserem Citroen die Vorfahrt genommen. Den Schaden am Rennauto konnten wir mit Kabelbindern und ein paar Drähten schnell wieder in den Griff bekommen.... den Schaden am Reh leider nicht.
Anfangsstand des Citroen 153538 – Tagesendstand 154158. Übernachtet haben wir unter freien Himmel.

2. Tag:
Soeben hat uns die Sonne wachgeküsst. Es verspricht ein herrlicher Tag zu werden.
Am Grenzübergang Heiligenkreuz haben wir ungarisches Territorium betreten... also eher befahren. Jetzt sind wir also in Zlaegerzeg... (für die, die es genau wissen wollen) Übrigens, das team mit den 3 Range Rovern haben wir gestern noch 2 mal getroffen. Einmal im Gegenverkehr, einmal an einer Kreuzung... Heute sind sie uns noch nicht begegnet. Dafür aber ein anderes Team mit 2 gelben Mercedes Benz E-Klassen. Gleich stehen noch ca. 500 km an. also los...!

Fortsetzung 2. Tag



Nachtrag zu Österreich:

Eine der Aufgaben aus dem Roadbook lautet aus jedem Land ein nachkochbares Rezept aufzutreiben. Noch in Österreich haben wir also die Frühstücksbedienung im Bistro nach einem landesüblichen Rezept befragt.... Ohne Erfolg! Nicht dass sie nicht gern essen würde, aber mit dem Kochen hapert es wohl etwas... schade! Zu ihrer Verteidigung sei erwähnt: die anderen Frauen in dem Laden wussten auch keines!!! ( Männer haben wir gar nicht erst gefragt. Es erschien uns vergebliche Mühe... ;-) )

...nachdem wir unseren ersten Bericht abgeschickt haben ging es nun in etwas erhöhtem Tempo aus Nagykanisza, ein bisschen südlich vom Plattensee, nach Kaposvar. Die Landschaft weitet sich und in jeder noch so kleinen Ortschaft sind ein gutes Dutzend Storchennester auf Laternenpfosten zu finden. Hier herrscht wahrlich schon Sommer! Der Raps blüht und alle Bäume stehen in saftigem grün. Die Jungs aus den gelben E-Klassen haben wir überholt, während diese eine Bierprobe bei einem örtlichen Getränkekiosk durchführten. Kurz darauf sind sie jedoch wieder an uns vorbeigezogen. Diesmal haben wir Brotzeit am Wegesrand gemacht. Die in Deutschland eingekauften Campingstühle ( übrigens danke an meine Freundin, die sie uns gesponsort hat ) kamen schon zu aller Zufriedenheit zum Einsatz.

An dieser Stelle möchten wir uns auch bei den anderen Sponsoren bedanken: MF+S mit einem großzügigem Zuschuss an die Teamkasse, Gernot Biller Baggerbetrieb mit einer vollen Flasche Ramazotti, Erdinger Weissbier, die nicht nur mit unglaublich großen Aufklebern den Zusammenhalt des Autos sichern sondern auch eine nahezu unendliche Anzahl an „Löschzwergen“ zu Verfügung stellen. Dem „Kleinen Laden“ aus Oberstdorf, für all die Goodies, die alles andere als selbstverständlich sind! Und natürlich all unseren Familien!!! Danke!!

Nun nähern wir uns also Szeged. Von da an ist es nur noch ein kurzer Sprung nach Rumänien. Ob wir das heut noch schaffen werden wird sich in Kürze rausstellen. Von hier ab wollen wir aber auf keinen Fall mehr im dunklen fahren denn die Pferdefuhrwerkdichte nimmt auch diesseits der Grenze schon zu.

Noch ein Wort zu unseren Rennwagen. Der Citroen läuft wie ein Uhrwerk. Mit neu angespaxter Stossstange und angehängtem Licht erfüllt er leicht wieder die landesüblichen TÜV-Vorstellungen. Beim Pontiac konnten wir die anfänglichen Zerfallserscheinungen stoppen. Die etwas rauchige Bremse funktioniert wieder einwandfrei. Beim Verbrauch sind wir uns nicht sicher ob wir eine Tankrechnung vergessen haben, denn der Verbrauch läge bei nur ca. 10 L Super. Wir behalten es mal weiter im Auge...

Heute war noch eine der Aufaben einen Baum pro Auto für den „Rallyewald an der Royal University in Amman zu besorgen. In Österreich noch haben wir eine sehr freundliche Gärtnerbetrieb gefunden, der uns nicht nur bestens beraten, sondern auch ein klein wenig unterstützt hat. nun haben wir also 2 kleine Olivenbäumchen dabei. ( neben diesen umfasst nun das bereits erstandene Inventar: 3 Falschen Wein, einen Rollstuhl, 2 paar Krücken ) . Dafür nimmt der Biervorrat ab. Es ist also kein Nettogwichtsverlust zu beklagen.

Diesen Bericht haben wir übrigens in Arad fertiggestellt, wo wir heut Abend Unterschlupf gefunden haben. An der Grenze haben wir wieder einige andere Teams getroffen. Die Stimmung ist sehr gut und wir sind für die nächsten Tage sehr zuversichtlich.

Anbei ein paar Bilder. Sie zeigen unsere erste Übernachtung, nahe einer Kläranlage...wie sich später herausstellte... und unser Picknick, wobei wir von den Mercedes-Jungs überholt wurden.

Anfangskilometerstand Citroen:154158 Endstand:154762 um mal die erlaubten 666km/Tag zu fahren ist man echt lang hinterm Steuer....

3.Tag...



Tag 3:
Anfangskilometerstand 154762... Endstand 155330
Heute lauten die Aufgaben: wir sollen ein Kinderheim besuchen und dabei ein von der Rennleitung verteiltes Puzzle übergeben. Wir haben uns, zugegebenermaßen mit Unterstützung von zu Haus, für ein Caritas Mutter-Kindheim entschieden in Timisoara. Dort haben wir den Kirchgang abgewartet und dann der zuständigen Ordensschwester die Spielsachen übergeben. ( Jörg hatte noch einige eigens dafür mitegbrachte Dinge dabei.... auch die gestifteten Bonbons wurden gern angenommen ) In diesem Heim wohnen 11 Jugendliche im Alter zwischen 9 und 18 Jahren. Da wir der rumänischen Sprache leider nicht mächtig sind, das Italienische auch nichtmehr ganz frisch sitzt, mussten wir kurzzeitig auf Englisch ausweichen.... bis uns Alex, ein ca. 11 jährigen Jungen, aus der Gruppe vorgestellt wurde. Er konnte nicht nur ziemlich perfekt Deutsch, sondern auch Italienisch und natürlich die Landessprache... zweit und drittes nütze uns ja nicht sehr viel, aber zumindest das Erstere...
Dank ihm konnten wir unsere Aufgabe, auch direkt mit dem landesüblichen Rezept, das von uns ja jeden Tag gefordert wird, sehr schnell meistern. Danke nochmal an Alex!!!
Nach ein paar dokumentarischen Fotos haben wir uns von sehr liebenswerten Menschen verabschiedet und die Stadt in Richtung Osten verlassen.
Weiter geht es über Drobet Turnu Severin nach Craiova. Kurz vor Craiova passierten wir ein scheinbar sehr großes Erdölfeld.... zumindest die zich Bohrtürme wiesen darauf hin. Dann kamen wir noch in eine Verkehrskontrolle und wurden nach Alkohol gefragt. Zwar sieht unser Auto aus wie ein Promotionfahrzeug der Brauerei, und die schon erwähnten Flaschen haben wir auch, jedoch noch nicht konsumiert... Nach kurzem, gegenseitigem Angelache hat uns der freundliche Ordnungshüter auch wieder passieren lassen. Der Straßenzustand wurde allmählich schlechter, was den gemeinen Rumänen aber nicht davon abhält, die Geschwindigkeit stetig hoch zu halten. An einer besonders schlechten Stelle haben wir wieder das Team mit den 3 weißen Range Rover gesehen... leider nur von hinten, denn auf diesem Terrain sind sie mit ihren Fahrzeugen klar im Vorteil. Neid....!
Trotz ziemlich zügiger Fahrweise, was laut deutschem Bußgeldkatalog nicht nur einige hundert € kosten würde, sondern mittlerweile auch einen telefonbuchstarken Eintrag in Flensburg geben würde gelingt es uns kaum, uns an die regiontypischen Geschwindigkeitsgepflogenheiten zu gewöhnen.... Ortsdurchfahrten, die mit 40-50 km/h laut Schildern ausgewiesen sind werden dort auch gern mal mit der Tachonadel im unteren dreistelligen Bereich passiert....
Weiter ging unsere Fahrt nach Bechet, dem Grenzübergang nach Bulgarien. Dort angekommen durften wir erst nochmal eine Straßennutzungsgebühr entrichten. Dann natürlich die Fährfahrt, welche im Preis eher einer Fahrt über den Ärmelkanal und zurück entspricht .... Auf der anderen Seite dann wieder die Vignette... die man ja sowieso braucht ....  Mal sehen was da noch so alles kommt.
Übrigens gab es heute zwei Mal Probleme mit dem Tanken. Also eher mit der Tankrechnung... denn hier kann man ja mit der Kreditkarte zahlen, aber nur wenn man einen PIN hat, nicht jedoch gegen die übliche Unterschrift. Beide Male konnten wir dann aber doch mit € zahlen.... zwar wiederwillig, aber irgendwie ging es dann doch.
Nun sind wir also in Bulgarien, in einem Kornfeld zur Übernachtung, nahe der Stadt Pleven. Auch hier gilt: Geschwindigkeit sehr hoch, Schlaglöcher sehr tief, Wetter gleich( 16-20°C mit leichten Schauern ) ! Auch heute hatten wir wieder, trotz sehr langen Lenkzeiten keine Chance die 666km zu schaffen.  Ein Tageschnitt von nur knapp 50km/h erinnert nicht im geringsten an deutsche Autobahnen.   Noch ein Tipp für die, die nächstes Jahr dabei sein wollen: Rallyelichter haben wirklich ihren Sinn!!! Wir hatten uns ja vorgenommen nicht bei Dunkelheit fahren zu wollen. Dies lag einerseits an den schlechten Strassen und an den abenteuerlich beleuchteten Verkehrsteilnehmern, und andererseits an der teelichtgleichen Lichtausbeute unserer Hauptscheinwerfer.

Morgen haben wir uns vorgenommen noch früher aufzustehen... was bei nicht allen auf Zustimmung stößt, aber trotzdem gemacht wird.... Der Wecker wird also um 5:30 Uhr klingeln...
Bis dahin erst mal Gute Nacht und nochmal Prost!

4. Tag:

Wir sind tatsächlich um 5:30 aufgestanden...aber nur in der deutschen Zeit, denn hier ticken die Uhren ja ein wenig anders. Auf den ersten Blick könnte man sagen, es handelt sich nur um die eine Stunde. Aber wenn man die Haupstrassen mal verlässt sind es in Wirklichkeit Jahrhunderte. Pferdegespanne gehören hier zum Alltag. Wenn ein Schild darauf hinweist, dass ab jetzt Gespanne verboten seien heisst es noch lange nicht, dass man nicht mit welchen auf der Strecke rechnen muss. Überhaupt ist der Bulgare scheinbar dem Rumänen in der Auslegung der Verkehrsregeln noch ein ganzes Stück voraus. Währen erstgenannter noch sehr zügig fährt muss man den Fahrstiel des Zweiten schon als Kühn bezeichnen. Die Schilder mit Zahlen zwischen 30 und 60 werden eher als belustigend wahrgenommen, wenn überhaupt.... Schlaglöcher in Größe von unseren Gefährten sind keine Seltenheit. Aber dank üppiger Gelder der EU ( an jeder neugeteerten Strasse stehen große Schilder mit der genauen Fördersumme ) werden die Strassen wohl in den nächsten Jahren auf Vordermann gebracht.
Beim Ritt durch die noch vorhandenen Schlaglöcher ist beim Pontiac dann eine der hinteren Ausstellfenster rausgefallen. Glücklicherweise hing sie aber noch an einer Schraube, so konnten wir sie sehr schnell wieder in die Fassung setzen und die Fahrt fortsetzen. Um Zeit zu sparen sind wir das Risiko eingegangen und haben den geplanten Weg verlassen. Zuerst war die Strasse jedoch sehr schlecht, was uns nicht wirklich den erwünschten Effekt brachte. Dann aber wurde sie sehr breit und nagelneu. Vorbei an einem landschaftlich sehr schön gelegenem Kraftwerk führte die Tour weiter in den Süden. Bald waren wir auch schon an der Grenze in die Türkei. Dort angekommen trafen wir ein paar Teams mit sehr lustigen Geschichten. So ist einem team von einem Auto der Anlasser ausgefallen. Also haben sie einen Reifen an die Stossstange montiert und den Wagen mit dem anderen Fahrzeug immer angeschoben, bis dieser aus eigener Kraft weiterfuhr. Oder das Team mit dem Subaru, welcher nur noch auf 3 Zylindern läuft.... oder eben das Team mit den BMW 7ern, bei denen bei einem Auto der 2. Gang nicht mehr geht.....

Morgen dann mehr, denn  wir müssen jetzt etwas essen gehen.... und dann auf ein Bier... Prost.
ach ja, wir sind in Istanbul und es geht allen gut!

Leider komme ich kaum zum Schreiben, denn es gibt so viel zu sehen und erleben....   aber es kommen weitere Berichte!

Türkei



Tag 5:
Heute stand ausspannen auf dem Programm.... so richtig wurde zwar nichts draus, aber trotzdem war es ein herrlicher Tag in Istanbul. Neben den üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten wollten wir noch ein wenig Boden gutmachen bei den Rezepten. Dies gelang uns aber nur zum Teil.... denn auch hier stellt sich heraus: der jüngere Türke, der eine unsere Sprachen spricht ist des Kochens nicht mächtig. Hingegen die sehr vielen älteren Menschen, die noch ohne Kochbuch Köstlichkeiten auf den Tisch zaubern sind für uns leider unerreichbar. Somit werden wir unser Glück heut Abend beim Essen nochmal probieren.
Ausserdem sind wir morgige Strecke schonmal abgelaufen und danach mit dem Auto abgefahren, nur um herauszufinden, wie man sich in den Einbahnstrassen zur Moschee kämpft. Dort gilt es morgen ein Foto mit den Autos zu machen... eine nicht gerade leichte Aufgabe. Als wir auf den Hotelparkplatz zurückkamen um unsere Rennautos wieder fit zu machen war gerade ein Fernsehteam von CNN Turk unterwegs. Sie filmten unsere Autos besonders intensiv. Als es dann noch um ein Interview ging musste Jörg herhalten, denn er ist ja schon das 2. Mal dabei.
Das ganze Interview kann man wohl heut Abend um 10 Uhr deutsche Zeit sehen.
Bei der Teambesprechung in ein paar Minuten geht es um den Start vom Hafen aus. Es wird wohl ein Le Mans -Start werden... wir sind gespannt!  

Tag 6:
Anfangskilometerstand 156016 Endstand 156748
So, nun war es also soweit. Alle Teams haben sich an der Mole getroffen, also vielmehr darauf. Sie ist etwa 900m lang und mit einem gut 5m breiten Fahrstreifen versehen. Am Ende der Mole ist eine Wendeplattform mit einem kleinen Leuchtturm. Besonders schlaue Teams, oder die es meinten zu sein.... besonders aus dem südlich angrenzendem Land haben direkt an der Ausfahrt an die große Hafenstrasse geparkt. Als die Rennleitung dann eingetroffen ist wurde der genaue Startpunkt bekanntgegeben: der kleine Leuchtturm. Ca. 5 Teams haben den Braten aber schon früher gerochen und haben ein Auto am Turm plaziert...natürlich mit der Gefahr völlig falsch zu liegen. Aber Allah war uns in diesem Fall sehr wohl gesonnen und wir konnten bei den ersten mit dabei sein, die den Hafen verließen. Jetzt hieß es so schnell wie möglich vor die Blaue Moschee zu fahren und ein Bild von beiden Autos mit dem ganzen Team zu machen. Auch dabei hatten wir sehr viel Glück... und vielleicht war auch ein bisschen die gute Planung vom Vortag daran Schuld, dass wir diese Aufgabe ohne weitere Probleme und Verzögerungen meistern konnten. Merkwürdigerweise fuhren einige Teams sehr sehr entspannt direkt in Richtung Fähre... Man könnte fast meinen, sie hätten das geforderte Bild schon am Vortag geschossen, oder vielleicht lassen sie es auch einfach aus....?!?!
Wie dem auch sei. Angekommen auf der Fähre gesellten sich noch etwa 4 weitere Teams auf eben diese und die kurze Fahrt nach Asien konnte beginnen.
Nachdem die Fähre festen Boden unter der Rampe hatte ging das Rennen weiter. Kurze Zeit später hatte uns auch schon das erste Team überholt: die Mercedes S-Klassen.

Ein guter Freund sagte mal: Wenn Gas nix hilft: einfach mehr gasgeben!

Soweit  so gut, aber wenn einfach nicht mehr in der Kiste ist tut man sich eben schwer. Wir liessen sie dann einfach ziehen, denn die nächste Tankstelle kommt gewiss. Überhaupt haben wir tatsächlich sehr viel Glück mit dem Verbrauch. Wenn man so den BMW 7ern oder den S-Klassen zuhört, die schonmal gern teilweise 20-25 Liter des teuren Supers reinlaufenlassen liegen wir sehr gut. ( Hier in der Türkei ist der Spritpreis da, wo er wahrscheinlich zur Wintersaison 2008-2009 auch bei uns sein wird: 1,67€ . Davon lässt sich aber der Türke im allgemeinen nicht in seiner Fahrweise beeinflussen. Gerade wenn es um die Taxifahrer geht heisst es munter beschleunigen, auch auf eine rote Ampel zu, denn diese könnte ja sehr kurzfristig die Farbe wechseln...auch wenn man nur Nummer 5 in der Schlange ist. Überhaupt steht unserer Meinung nach der türkische Busfahrer ganz oben auf der Vorfahrtsliste, ob mit oder ohne Gäste. Nun legt man sich ja ungern mit drängelnden Bussen oder Taxis an, aber, und davon geht man hier wohl kaum aus, brauchen wir nicht wirklich viel Wert auf den äusseren Zustand der Fahrzeuge legen. Das aktive Anstellen an der Ampel haben wir fast immer mit einem Erfolg gekrönt.
Die Fahrt führte aus der Großstadt Istanbul Richtung Sakarya. Von da aus in den Süden nach Bozüyük, vorbei an malerischen Porsuk Baraji ( vielleicht unter Anglern ein Begriff ) nach Küthaya. Die Verkehrsdichte nimmt weiterhin stetig ab, die Fahrbahnbreite und Güteklasse aber eher zu, was wohl den osmanischen Ordnungshüter dazu bewegt, Autofahrer mit fremden Kennzeichen verstärkt zu kontrollieren. So sieht man immer wieder Rallyeteilnehmer am Wegesrand in zeitraubende Diskussionen verwickelt. Uns bleib diese Begegnung bisher dankenswerterweise erspart.
Den ganzen Nachmittag hat es heute wie aus Eimern gegossen.
Zum Nachtquartier haben wir uns erst eine alte Ziegelei gesucht. Leider regnete es immer weiter, deshalb sind wir doch noch kurzer Hand in ein verlassenes Ausflugslokal am See umgezogen. Darin konnten wir einerseits das Zelt aufstellen und andererseits auch noch ein hervorragendes Mahl auf dem mitgeführten Gaskocher zubereiten. Pasta mit Soße. Der Hund, der uns bis dahin mit lautem Gebell an der Unterhaltung störte bekam auch eine ganze Portion auf einem Pappteller serviert... danach war er beruhigt uns hat artig auf unsre Autos aufgepasst...

Tag 7:
Anfangskilometerstand 156748  Endstand
Nach einer sehr gut durchschlafenen Nacht ging es auf dem direkten Weg nach Antalya. Die bisher vermeindlich schwerste Aufgabe stand auf dem Programm: Zitat:“ Ihr müsst deutsche Antalyatouristen vor, neben auf oder in Euren Rallyewagen, vor dem offenen Meer, einem typischen Touristenbunker.... fotografieren. Aber nicht irgendwelche, sondern entweder 20 Touristen in normaler Badebekleidung, oder 5 Touristinnen „oben Ohne“, oder 10 männliche Touristen in typisch deutscher Urlaubsfussbekleidung, nämlich kurze Hose, Socken und Sandalen. Zitatende
Nun muss man wissen dass jetzt gerade weder die bevorzugte Zeit, noch die angenehmste Temperatur des deutschen Pauschaltouristen ist. Der Blick an den Strand offenbarte ein ernüchterndes Bild: kein Mensch da! Damit war dann auch Alternative 2 und 3 leider schon gestorben, bevor man überhaupt die richtigen „Opfer“ ausmachen konnte. Beim langsamen Cruisen an den stilvollen Hotels haben wir dann vor einer eher gehobeneren Preisklasse einen Bus von Bertelsmann-Der Club Teilnehmern ausgemacht. Dort mussten sich also Landsmänner und -frauen verstecken. Während diese in den Bus einstiegen haben wir ihnen kurz von unserer Mission erzählt und sie gebeten das eh schon schlechte Klischee von Deutschen noch zu verstärken und vor unseren Autos Model zu stehen. Ohne irgendwelche Überzeugungsarbeit erklärten sie sich sehr spontan dazu bereit die Hosen hochzukrempeln und zu posieren. ( Wir sind uns nicht sicher, aber wir tippen bei dieser Gruppe was die Herkunft anbelangt auf den rheinischen Raum, denn sie waren sehr sehr gut gelaunt! ) Vielen Dank an diese Truppe, die gezeigt hat, wie kurzentschlossen auch Deutsche sein können!!!
Auch wir, in bester Laune konnte also Antalya wieder verlassen und haben den Weg über Alanya nach Osten fortsetzt. Von da aus geht es immer an der Küste entlang weiter Richtung Mersin.
Die aus Bulgarien uns Rumänien bekannte gute, alte ostdeutsche Platte wird hier im Wohnungsbau durch den eher mediteranen „wir-bauen-irgendwann-sicher-weiter“ Stil ersetzt. Die durchfahrenen Täler sind meist bis auf den letzten Platz mit wahlweise Hotels oder Gewächshäusern belegt. Landwirtschaft ist an den sehr steilen, felsigen Hängen nichtmehr möglich, ausser man will Steine anbauen.
So etwa 60km vor Mersin suchte uns dann ein technischer Defekt anheim. Die Federung des Citroens wurde stetig weniger... Beim Stopp und dem anschliessenden Öffnen der Motorhaube war das Problem schnell klar: bei einem Hydraulikakku hatte die Dichtung versagt und die Flüssigkeit dem Motorraum preisgegeben. Mit dem noch intakten Auto fuhren wir zu einer nahegelegenen Werkstatt und baten mit Händen und Füssen um ein benötigtes Spezialwerkzeug. Kein Problem, denn es war sofort verfügbar. Zurück am Citroen wechselten wir die Dichtung und wieder an der Werkstatt füllten die Boxenmechaniker Hydrauliköl nach. (Wo sie allerdings das Originalöl innerhalb von nur 2 Minuten auftrieben bleibt uns ein Rätsel.) Schon konnte es wieder weitergehen.
Da es sich um die einzige Strecke von Antalya nach Osten handelt trafen wir immerwieder auf verschiedene Teams. Einen sehr langen Abschnitt fuhren wir mit den Salzburger Kameltreibern ( die heissen wirklich so )Sie treten hier mit einem Mercedes 190, einem VW T3 mit Pritsche und einem Feuerwehrauto aus den 80gern an! Die Vorbeifahrt wird oft mit freudigem Gehupe oder Gewinke begleitet.

Zum Rest des Tages morgen! Es bietet sich gerade ein Internet-Cafe an....
Beste Grüße 

Fortsetzung von gestern....

In Tarsus angekommen galt es nochmal eine Aufgabe zu lösen. Wir mussten laut Aufgabenbuch die Kirche eines Apostels finden... Der Apostel war ziemlich schnell ausgemacht: Paulus. Die Kirche hat etwas auf sich warten lassen, aber dank vieler andere Teams und freundlichen Polizisten konnten wir auch diese schnell finden. Sicher sind wir uns nur nicht ob wirklich nur die paar übrig gebliebenen Säulen, oder gleich die ganze Kirche auf das Foto mussten. Wir nahmen vorsichtshalber eines, wo beides drauf zu sehen war.
Die Stadt haben wir weiter Richtung Osten verlassen. Auf der Suche nach einem Ruheplatz stiessen wir dann auf ein Eck von einem Feld, dass wir zum Campieren nutzen konnten. Der Hit an diesem Platz war aber, dass er genau am Fusse einer wie neu anmutenden Kreuzritterburg lag. So konnten wir unter freiem Himmel mit wunderbarem Blick die letzten mitgebrachten Würstchen grillen. Nur das Kieswerk nebenan bot eine nicht unbeachtliche Geräuschkulisse... aber den Feierabend konnten wir locker vorm Feuer aussitzen...

Tag 8: ( Anfangskilometerstand 157432  Endstand 157853 )
ging sehr früh los. Aufstehen war um 6 angesagt. Danach Aufräumen und noch eine kurze Exkursion zur Burg. Dort war niemand anzutreffen, ausser einem Kampfhund, der sich aber so über unsere Ankunft freute, dass wir diesen noch nicht mal, wie hier ja üblich, bestechen mussten um den Weg frei gemacht zu bekommen.
Dann ging es mit erhöhtem Tempo an die syrische Grenze ( kurz davor kam gestriger Report ) Die Ausreise aus der Türkei verlief noch relativ problemlos, denn wir waren ja nicht die ersten Teams. Gott sei Dank durften wir an den rund 60 LKWs, die auf die Ausreise warteten vorbeifahren und die Einreise nach Syrien beginnen.
Das Prozedere muss man sich folgendermaßen vorstellen: ein riesengroßer Parkplatz, auf dem so ziemlich alle Teams hintereinander zum Stehen kommen. Daneben ein bahnhofshallengroßes Abfertigungsgebäude, mit vielen, meist unbesetzten Schaltern, alles nagelneu.

Da geht man dann also rein und fragt bei anderen Teilnehmern nach, was man so machen muss. Es muss also jeder einen Einreisezettel ausfüllen und mit dem Pass abgeben. Den bekommt man dann wieder zurück... nach ein paar Minuten. Dann muss der jeweilige Halter des Autos zu einem Schalter und einen weissen Zettel holen, der aber nur in Arabisch beschriftet ist ( kostet 2 US$ ). Dann muss man sich einen Übersetzer suchen, die da ja schon rumlaufen und nur darauf warten angesprochen zu werden. Die füllen einem den Zettel dann aus. Mit dem verlässt man das Gebäude um im einem anderen nach dem Mann mit dem Stempel zu suchen. Wenn dieser sich erbarmt und einem den Stempel auf den Zettel gibt hat man quasi schon Level 1-3 geschafft. Zurück mit dem jetzt abgestempelten Zettel wieder in die Halle, wo man sich in die Schlange für den Devisentausch einreihen darf. Da bekommt man dann zum staatlich schlechten Kurs Geld getauscht und darf sofort weiter an den übernächsten Schalter um die nötige Versicherung ( 70 )zu erstehen. Wenn man diese dann hat darf man wieder ein Stück weiter um bei einem Beamten noch den Final-Stempel zu ergattern. Der lässt aber gern ein bisschen auf sich warten, denn von hinter der Scheibe kommen immer wieder irgendwelche Schleuser rein, die einfach mal den Pass des Mandanten ganz oben hinlegen.... also rutsch man als Nichteinheimischer einen Platz zurück.... usw. Dem Final-Stempel-Beauftragten darf man auch nicht nur den vorgeschriebenen Betrag, der auf einem der Zettel steht geben, sondern er verlangt schon ein wenig mehr, das aber mal ganz pauschal. Drunter schaut er sich den Pass gar nicht erst an. Nach gut 2 Stunden und ca. 10km gefühlter Strecke kann man dann mit dem Auto vorfahren. Von da an nur noch schnell bei einem anderen Beamten mit allen gesammelten Werken vorbeigeschaut und schon hat man es geschafft. So leicht kanns gehen, wenn man zich Leute hat, die einem immer wieder erklären was als nächstes kommt, denn Schilder weisen noch nichtmal auf den Anfang.

In Syrien haben wir uns entschlossen nicht den schnellsten Autobahnweg nach Damaskus zu nehmen, sondern den landschaftlich schöneren Bundesstrassenweg. Dieser führt ca. 50 km im Westen des Freeways entlang. Heute Abend haben wir in Hama verbracht. Ein wunderschöner Ort, der sehr bekannt für seine bis zu 600 Jahre alten und ca. 20m hohen Wasserräder ist. Obendrein ist heute Freitag, was soviel wie unser Samstag und Sonntag in einem ist. Es herrscht ein bunter Markt, angefangen von Spielzeug, Über Lebensmittel bis hin zum Wäschetrockner. Da wir die Stadt nicht wieder verlassen wollten haben wir uns in einem der besten Hotels in Hama eingemietet: Hotel Sarah (!!!), kein Witz! Die Übernachtung hier kostet ca. 7€ /Person, was unserem auferlegtem Budget sehr entgegen kommt. ( Laut Rallyestatuten darf man nur 10 für Übernachtungen verbraten ). Das Essen gerade war hervorragend. Ein paar Teller mit köstlichen Vorspeisen, danach ein Kebap und dazu ein oder 2 Getränke zum Gesamtpreis von 6 ... für alle 4 Personen zusammen! Und weil wir gerade bei Preiswert sind: der Liter veredeltes Erdöl kostet 55ct. ! Zwar sagt man die Qualität sei nicht die beste, aber unsere 3,2L Maschine aus gutem, amerikanischen Spritzguss schluckt alles. Heute haben wir uns übrigens etwas mit der Tankstellendichte verschätzt. Gerade in Syrien angekommen wollten wir tanken. Was wir nicht bedacht haben, es ist ja Freitag. Somit haben schonmal 50% aller Tanken zu. Die anderen 50% geben sich aber nicht so leicht zu erkennen, denn sie gehören nicht den üblichen Mineralölgesellschaften an. Also muss man auf vereinzelt stehende Zapfsäulen achten, wo sich vielleicht schon ein Auto befindet. Wir hatten das Glück, dass wir zufälligerweise genau vor einem Friedhof nach dem rechten Weg gefragt haben. Der Mann konnte uns diesen nicht erklären, also ist er kurzer Hand in das Auto zugestiegen und hat mit uns eine kleine Stadtrundfahrt zu den Tankstellen gemacht. Bei der Dritten gab es dann auch tatsächlich Sprit. Artig haben wir den Mann danach zum Ausgangspunkt zurückgefahren und mit ein paar Mitbringsel aus Deutschland belohnt. Ohne diesen netten Menschen hätte es ziemlich schlecht um uns ausgesehen.

Während so einer langen Fahrt fragt man sich natürlich Über was man sich die ganze Zeit unterhält. Wir wissen nicht genau ob und was andere Teams so reden, wir jedoch benutzen unsere mitgebrachten Funkgeräte reichlich zum Austauschen von qualifizierten oder auch weniger qualifizierten Kommentaren. Eine Sache ist mir aber noch wichtig zu erwähnen: Mein Mitfahrer Hans erzählt mir jeden Tag wie wichtig eine gesunde Ernährung ist. So erklärt er mir jeden Tag aufs neue die Ernährungspyramide, an deren Spitze ein Kuh steht! Eine ganze Kuh! Darunter kommt dann irgendwas, bis man dann ganz unten bei den wichtigen Cerealien ankommt... Seinen Ausführungen nach bestehend aus Knoppers oder Kinder Country, wahlweise mit Zwieback oder nur Nutella. All diese Ausführungen mögen daran liegen, dass wir meist keine Zeit für richtige Frühstück haben... und Essen nunmal zu einem seiner Lieblingshobbys gehört. Also noch ein Tipp: Viel Obst einkaufen, das hier oftmals von älteren Leuten am Strassenrand sehr günstig angeboten wird.

Ein sehr positiv auffallender Punkt ist, wie unheimlich freundlich die syrische Bevölkerung ist. Während wir in der Türkei, Bulgarien und Rumänien eher mit unseren Autos aufgefallen waren stechen wir hier ganz klar durch unsere Haut-, bzw. Haarfarbe hervor. An allen Ecken und Enden wird uns zugerufen: Welcome! Sobald man ein Geschäft betritt wird man mit Händedruck begrüßt und es wird  meist sehr schnell Tee angeboten. Auch die Verständigung klappt wesentlich besser als in oben genannten Ländern. Touristen sind, so scheint uns bisher eher die Ausnahme. Kein Wunder, ist es doch einer der "Schurkenstaaten" ("auf der Achse des Bösen") . Wir jedenfalls fühlen uns überaus wohl und können nur jeden zur Reise hierher ermuntern.       
 
Morgen geht es dann nach Damaskus, wo diese Mail auch höchstwahrscheinlich abgeschickt wird.


9.Tag



Pünktlich um 5 Uhr morgens wird man hier von den Weisheiten des Muezins geweckt, der diese dann in unregelmäßigem Abstand von 2-3 Stunden lauthals von sich gibt. Das tolle daran ist, sobald einer anfängt, predigen aus allen verfügbaren Minaretten allmögliche Andere auch mit. Da aber die Sonne um diese Uhrzeit auch schon auf geht fällt einem das Aufstehen nicht so schwer. Bis wir die Wasserräder nochmal besichtigt hatten und uns vom sehr netten Hotelpersonal verabschiedet haben war es dann auch schon 7:45 Uhr.

Von Hama ging es dann auf etwas kleineren Wegen zum Krak des Chevaliers, (zugegeben, wir haben uns auch nicht die leichteste Strecke rausgesucht, was wir dann, angesichts des immernoch sehr leeren Tank etwas bereuten) einer unglaublichen Wehranlage die ihre Entstehung ins 11. Jahrhundert vor Christi zurückdatieren kann. Bevor wir aber in diese Materie zu weit einsteigen können wir nur raten: entweder selbst anschauen oder bei Wikipedia nachlesen. Es ist auf jeden Fall eines der kulturellen Highlights dieses Trips. Unsere Truppe, und jeder einzelne von uns ist schon sehr weit gereist, aber sowas hat noch keiner von uns allen gesehen. Nachdem wir die Burg wieder verlassen haben sind wir auf der Autobahn nach Homs und weiter ins ca. 160km entfernte Damaskus gefahren. Das Klima wurde langsam wärmer, aber eben dafür auch sehr viel trockener. Vorbei sind die wunderschönen Weizenfelder, auf deren Ernte nichtmehr lang gewartet werden muss. Leider sind auch schon die Olivenplantagen wieder Vergangenheit. Die Landschaft wird nun mehr durch steinigen Boden geprägt, der ab und an mal einen Busch beherbergt.

Der Baustil wird auch zunehmend ein-, maximal zweistöckig, wobei in der Farbskala zwischen hellbraun und hellgrau gewählt werden darf. Auffallend, aber dies ist bei jeden guten „demokratischen Diktatur“ wohl so, sind die übergroßen Bilder des Machthabers, der einen mal mit, mal ohne Sonnenbrille, dafür dann mit Vater oder in Rambopose von allen möglichen Häuserfassaden oder als Abziehbild auf der Heckscheibe von Kleinlastern anlächelt.   

 

Zum syrischen Motorkutschlenker sei gesagt: am Land fährt er eher im gemächlichen, ja fast schon ängstlichem Tempo. Sobald es aber auf die Autobahn geht, auf der es übrigens keinerlei Spurmarkierungen gibt herrscht das Gesetz des Stärkeren, oder des Risikounbewussteren. Die Geschwindigkeitsbeschränkung von 110km/h ist reine Makulatur und so wird man bei Tempo 130 schon mal von einem großen BWM oder einer S-Klasse mit dessen Rückspiegel von der Straße katapultiert. Ein kleiner Beleg fürs Chaos in der Stadt soll die angehängte Filmaufnahme bieten. ( wenn man an die Fahrschulzeit zurückdenkt wäre dies bestimmt Antwort c gewesen: Sie fahren zügig in die Kreuzung ein, unter Zuhilfenahme des Aufblendlichts und der Hupe ...) Eine gewisse Sicherheit auf dem Land kann man aber dadurch erlangen, dass Kinder schon im Vorschulalter genau wissen wann sie über die Strasse gehen können und wann eben nicht. Innerorts wird das Tempo ganz automatisch durch sehr hohe „Geschwindikeitsverminderungswälle“ gedrosselt. Einige sind so hoch, dass unser Nummernschild mit einem Krachen auf sich aufmerksam macht.

 

Die heute gestellten Aufgaben konnten wir einigermaßen leicht erledigen. So haben wir im Christlichen Teil von Hama schon die geforderte Flasche Wein einkaufen können. Auf dem Bazar von Damaskus brauchten wir dann nur noch die 120gr Pfeffer, 90gr Koriander und 100gr Curry besorgen. Eine Leichtigkeit bei den ca. 134 verschiedenen Gewürzhändlern. Ulkigerweise haben wir uns scheinbar einen Laden rausgesucht, bei dem schon ein Team vor uns war, denn der Verkäufer wusste genau die Mengen und Gewürze.... So klein ist ein Bazar. Danach musste wir noch die Teamkamera, eine Einwegkamera eines namhaften Herstellers zu einem Fotogeschäft bringen, der den darin befindlichen Film entwickelt. (Die Verständigung mit dem älteren Herren hinter dem Ladentisch war etwas hakelig... wir meinen verstanden zu haben, dass wir den Film heute noch um 8 Uhr zurückbekommen.... hoffentlich, denn sonst stehen wir ohne Fotos da.)  . Die daraus gewonnen Fotos müssen wir dann noch in das Tagebuch kleben, dass wir mit all dem Wein, den Bäumen, dem Lösungsbuch und dem Rezeptbuch bei der Rennleitung vor der morgigen Wüstenetappe abgeben werden.

 

Mal sehen wie es morgen wird. Nun werden wir noch in den Bazar eintauchen und das Flair auf uns wirken lassen

10. Tag:

Das mit den Fotos hat gestern Abend noch wunderbar geklappt. Was leider nicht geklappt hat, aber das ist sicher jedem aufgefallen war der „Kreuzungs-Film“. Die Verbindung war dermaßen schlecht und leider mit so einer Datenmenge überfordert .... vielleicht war es aber auch das Chaos auf der Strasse.
Am Abend haben wir noch das Lösungsbuch zu Ende geschrieben. Wie gesagt galt es noch alle Fotos einzukleben und zu beschriften.
Am nächsten morgen haben wir Damaskus in Richtung jordanische Grenze verlassen. Als zweites Team sind wir am Grenzübergang angekommen, jedoch war nicht klar, ob wir überhaupt am richtigen waren, denn es gibt 2 mit dem gleichen Namen. Ein Anruf bei einer der privat nach Jordanien gereisten Frauen, die schon auf jordanischen Boden wartete ergab aber, dass wir tatsächlich richtig waren. Die Ausreise aus Syrien ging eigentlich ziemlich problemlos. Zuerst sind wir am Grenzhäuschen einfach vorbeigefahren wobei wir wohl den schlafenden Vorkontrolleur geweckt haben. Dieser pfiff uns sofort wieder zurück. Natürlich muss man wieder in ein Gebäude um ein Formular für 100 syrische Pfund ( 2€) zu kaufen, dass dann ausgefüllt werden muss um irgendwo anders wieder abgestempelt zu werden. Zwischenzeitlich kann man aber schon den Pass in einem anderen Gebäude stempeln lassen und auch gleich den Einreisezettel von vor zwei Tagen dort abgeben. Danach fährt man dann zum nächsten Grenzer, der einem die Ausreise aus „Assad´s Country“ (Originaltext laut Schild) gewährt.
Nach und nach sind so ziemlich alle Teams auf dem Niemandsland zwischen den Grenzkontrollen eingefahren. Leider kam das OK auch etwas zu spät, somit war die Verwirrung bezüglich der weiteren Vorgehensweise in den Teams sehr groß. Der Kontaktmann in Jordanien kam hingegen pünktlich um 9.... also so gegen 11, denn Zeit nimmt hier keiner so ernst, aber dazu später noch. Auf jordanischem Territorium wurden dann die Formalitäten in einem sehr langwierigem Prozess erledigt. Nur durch die Hilfe von einem der Söhne eines OK-Mitglieds konnten diese unfallfrei in nur 3-4 Stunden durchgezogen werden. An diesem riesigen Parkplatz wurden dann die geforderten Aufgaben der Rallye einer Jury vorgeführt. Punkten konnten wir durch den original 100% syrischen Wein, denn dieser ist normal aus dem Libanon importiert und nur umetikettiert. Unsere erstandene Flasche aber nicht! Auch die 2 Olivebäumchen wurden wohlwollend notiert.
Dann ging es im Convoy zu einer 50km entfernten Wüstenpiste. Dabei muss man sich eine steinharte Fläche vorstellen, die ca. 3km lang und 1km breit ist. Irgendwo auf dem Zubringerweg (3km) zur Piste war wohl auch für einige Teams die Stelle, an der man das Hirn teilweise abgeben konnte. (zugegebenermaßen macht es trotzdem riesigen Spass die vom Autohersteller zertifizierten Fahreigenschaften einmal auszuprobieren....)
Bei dieser Prüfung galt es eine Strecke von ca. 2 km erst in eine Richtung, dann in die andere Richtung mit anschließendem Achter um Pylonen zurückzulegen.  Man konnte also nach Herzenslust Vollgas geben, bis man um den Wendepunkt rum war. Die kleinen Gräben, die man mit 130km/h erst relativ spät wahrnimmt müssen eben vom Fahrwerk geschluckt werden. Beigefügte Fotos sollen einen kleinen Eindruck vermitteln....
Anschliessend ging es im Convoy durch die Wüste zur haschemitischen Universität. Dort wurden wir von sehr wichtigen Leuten herzlich empfangen und mit einem kleinen Imbiß und Getränken verköstigt. Ab da ging die Warterei aber erst richtig los. So ca. 3 Stunden später kam also die zweite Gruppe an Fahrzeugen auf dem Parkplatz an. Die Stimmung wurde aber dank der mitgebrachten Weinflaschen immer besser. In dieser zweiten Gruppe gab es schon die ersten Opfer der Wüstenetappe: Differenzialschaden bei einer S-Klasse. Servopumpenausfall, auch bei einer S-Klasse. Achsschaden bei einem Scirocco. Ein 7er BMW hat den Geist ganz aufgegeben.... usw. Auch wir haben übrigens das Endrohr des Auspuffs auf der Strecke gelassen.
So gegen 17:30 Uhr hieß; es dann in 25 Min. seien auch die letzten da und wir könnten in die Hotels fahren... Das war dann so um ca. 20 Uhr.... ( ach ja, 2 BMWs von selben Team (!!!) haben es doch tatsächlich geschafft, sich in der zu fahrenden 8 zu treffen... leichter Frontschaden der Eine, satter Seitenschaden der Andere....).
Bis dahin war die Stimmung auf dem Parkplatz schon sehr sehr gut. Wir haben zusammen mit den S-Klassen aus Karlsruhe dann direkt noch den Gaskocher angeschmissen und ein paar Nudeln gekocht. Die ein oder andere Flasche Wein wurde auch noch getrunken und Hansens best gehüteter Schatz, der letzte Karton Erdinger wurde der Öffentlichkeit Preisgegeben. ( Mit nur 100 Flaschen Bier waren wir wirklich am unteren Ende der Erfrischungsgetränkeskala was das Volumen betrifft. Andere Teams hatten bis zu 600 Büchsen dabei!!! Dabei gibt es doch auf dem Weg auch lokale Zapfstellen... dazu hat man aber eher weniger Zeit.) Als ich gerade meine Verwunderung äußerte, dass wirklich alles weg sei kam nur ein: "Spinnst Du, i gib doch ned ois weg!" (es gibt also noch 4 Flaschen)
Die Fahrt ins Hotel wurde unter Polizeischutz durchgeführt... so als würden sehr sehr wichtige Leute auf Staatsbesuch kommen... . Wir sind trotz mehrmaligem Nachfragen im falschen Hotel gelandet. Also hat uns der oben erwähnte Sohn freundlicherweise ins andere Hotel gebracht. Um ca. 23:30Uhr war dann auch dieser Tag geschafft.
Leider kamen wir nicht mehr zum Pflanzen der Bäume. Dies wird also heute, am 11. Tag nachgeholt. Eigentlich wollten wir sie alle einem Mitglied eines anderen Teams geben, der Landschaftsgärtner ist.... damit es auch fachmännisch gemacht wird. Er meinte aber darauf, es sei sehr leicht: das Grüne muss nach Oben!!! ....
Später dann also wie es gelaufen ist....

Tag 11:

Heute war ein ausgesprochen langweiliger Tag. Dies ging mit langem ausschlafen los... also sowas bis 8. Dann ein wunderbares Frühstück und dann warten weil keine Information kam. Um 10 ging es dann los mit dem Autokorso in die Unviversität... aber in die Falsche. Dann anhalten und warten. Wieder losfahren und wieder anhalten..... usw. Nach 3 Stunden und diversen verlorenen Autos waren wir vor einer im Bau befindlichen Moschee angekommen. Dort durften wir in den nahe gelegenen, neuen Park, naja ein sehr kleiner Park, also ein Pärkchen, die Bäumchen pflanzen. Zu unseren Ehren kam noch eine Militärkapelle, die dann zünftige Musik, ein Mal in der Blasmusikausgabe, ein zweites Mal in der Dudelsackausgabe zum Besten gab. Die Krönung des ganzen war, ein Teilnehmer unseres Teams durfte auf das im Bau befindliche Minarett.... bis ganz oben. Ein herrlicher Blick.

Darauf folgte wieder eine chaotische Fahrt durch die Stadt zu deren Ende wir am paralympischen Sportzentrum rauskamen. Dort durften wir die mitgebrachten Rollstühle und Gehhilfen in einer Turnhalle abliefern. Danach Fahrt ins Hotel.
Nun haben wir also eines der Fahrzeuge vollgepackt mit Zelt und Schlafsäcken und eben alle dem, was wir hier lassen wollten auf dem Parkplatz abgestellt. Die Nummernschilder sind abgebaut und es wird wohl demnächst in den jordanischen Strassenverkehr wieder eingegliedert. Das andere Auto, also den Boliden werden wir noch ein paar Tage fahren und dann auch abgeben.

Heute Abend wird dann nochmal ein offizieller Teil sein. Der Hauptpreis, ein Kamel wird dann dem neuen Besitzer übergeben. Wir sind gespannt...

Gern würden wir uns jedoch jetzt schon von der Leserschaft verabschieden. Wir hoffen es hat jedem der diese Zeilen gelesen hat sehr viel Spass gemacht.

Besten Dank an das Allgaeuportal, die unsere Ausführungen auch wirklich veröffentlicht haben.

Vielleicht konnten wir einen kleinen Eindruck über diese überaus spannende und sehr lustige Reise vermitteln.

Natürlich kann man sich perfekt für solch eine Unternehmung vorbereiten. Was man aber auf der Strecke erlebt wird möglicherweise ganz anders sein. Wir können es nur empfehlen.

Falls übrigens noch jemand ein außergewöhnliches, fahrbereites Auto ( dieses Jahr ist tatsächlich ein komplett bestückter Krankenwagen mitgefahren... ) in der Garage stehen hat und dieses möglicherweise im nächsten Frühjahr loswerden möchte, oder gegen eine kleine Unterstützung seine Werbung durch halb Europa und den nahen Osten schicken möchte: die Redaktion gibt sicherlich ernst gemeinte Zuschriften weiter....

Vielen Dank nochmal an alle die uns unterstützt haben!!! Besonderen Dank gilt Sarah, die uns sehr sehr geholfen hat! Danke!!!

Anbei noch ein paar Bilder von lustigen Aktionen. Ein spezielles zeigt Alex aus Rumänien, das andere zeigt die hilfsbereite Reisegruppe.

Ach, ein Tipp fällt uns doch noch ein: wenn man hier mal ein wenig zu schnell unterwegs ist und ein von Staatswegen bemächtigter Beamte die Weiterfahrt möglicherweise nur gegen einen Spende erlauben will: bevor er überhaupt zuckt direkt mit hoch erhobener Hand grüßen und zuwinken. (scheinbar gibt es hier einen Reflex, sobald man jemanden mit der Hand grüßt, winkt dieser zurück und vergisst was er eigentlich wollte...)

Beste Grüße
Eure Weit-Weit-Weg-Fahrer

Morgen nur noch ein paar Bilder von der Siegerehrung!

das nahezu letzte von uns.....



Nun ist uns also doch noch etwas eingefallen: leider ist die Übertragung der kleinen Filmchen nicht möglich. Da wir diese aber nicht vorenthalten wollen werden wir sie am kommenden Samstag noch ins Netz stellen. Ein paar Bilder von der Ankunft in Friedrichshafen werden auch noch dabei sein.

Die Feier hat in einem sehr schönen Lokal mit Zeltdächern stattgefunden. Leider waren alle Prinzessinen verhindert, so konnte man den Preis vom Landwirtschaftsminister entgegennehmen.
Wir sind übrigens 4. geworden.... wie fast alle anderen auch. Ein Team aus Oberstdorf hat den 3. Platz erreicht. Den ersten Platz hat die Scuderia Silencio erreicht. Das Kamel steht hier noch im Stall, wo es auch bleiben wird.

So, nun aber wirklich das letzte...bis zum nächsten Mal



Wie versprochen noch die Kreuzung und ein paar andere Bilder.

Der Rückflug nach Friedrichshafen war übrigens sehr angenehm. In Friedrichshafen angekommen wurde uns ein bombastischer Empfang bereitet...mit rotem Teppich und Blaskapelle.

Am Kofferband kam dann noch ein besonderer Empfang in Form von ein paar Kästen Bier und Radler zur freien Selbstbedienung.. Danke an den Spender!

(Insgesamt waren wir übrigens 4900km unterwegs. Das Gewinnerteam hat es auf ca. 4600 geschafft. Andere waren mit 5400 dabei.    Die Kosten kann jeder selbst mit der Anschaffung vom Fahrzeug und dem jeweiligen Verbrauch berechnen + Einreise Syrien fürs Auto ca. 130 US$ pro Benziner,  Diesel liegt bei 230US$ . Einreise nach Jordanien kostenlos, wenn man mit der Rallye fährt, ansonsten 20 JD(ca. 20€) wenn man aus- und wieder einreist.)

Viel Spass bei der nächste Rallye

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Hier noch die versprochenen Filmchen.

 

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